Leseprobe 3

Der Plastik-Indianer

Nicht nur unsere Zinsen werden von der Inflation aufgefressen. Auch Weihnachten erlebt eine Inflation. Der Wert dieses Wunders, dieses Festes der Kindheit und der Versöhnung nicht zuletzt mit Gott wird in demselben Maße geringer, in dem Werbung und Geschäfte zunehmen.

Als Kind war ich für Werbung sehr empfänglich. In der Vorweihnachtszelt flüchtete ich mit dem Prospekt eines Spielzeugladens in ein stilles Eckchen, um all die Feuerwehrautos, Eisenbahnen und Indianer zu bestaunen. Ich wollte das nicht alles besitzen, ich wollte es nur anschauen und genießen.

Apropos Indianer. Zuerst hielt ich natürlich zu den Cowboys. Und es war mein Vater, der aufmerksam meine kindlichen Äußerungen wahrnahm und mich darauf hinwies, dass die Indianer einen Freiheitskrieg führen, den die Welt der Weißen erfolgreich vertuscht oder, was fast noch schlimmer ist, erfolgreich vermarktet.

Von diesem Tag an nannte ich mich Tashunka Witko, Verrücktes Pferd.

Ich war vielleicht sieben oder acht Jahre alt, als ich meine Mutter in die Stadt begleitete, ...