Der Bucheinband

Neben dem Manuskript, dem wichtigsten Bestandteil, brauchte auch das "Indianische Lesebuch" eine Hülle - den Einband. Bei dessen Gestaltung war ich Alfred Keil behilflich. Wir waren uns sehr schnell darüber einig, dass die im Buch beschriebene Indianerfigur ("Der Plastikindianer") - als Blickfang - im Mittelpunkt der vorderen Buchdecke stehen sollte. Außerdem musste unbedingt Sitting Bull, der legendäre Indianeranführer, darauf abgebildet sein. Schließlich war auch noch für den Text - Name des Autors, Buchtitel u.a. - ein geeigneter Platz zu finden. Und alles sollte einigermaßen ansprechend ausschauen.

Ganz wichtig war es, dass der Plastikindianer dort fotografiert wird, wo er schon seit Jahrzehnten seinen Platz hat, nicht mehr von der Stelle bewegt und auch nicht mehr abgestaubt worden ist, nämlich auf einem der vielen Keil'schen Bücherregale - direkt vor ein paar dicken "Indianer-Wälzern" stehend. Meine Zuversicht ("Kein Problem!"), dass die Aufnahme am "Originalstellplatz" gelingen würde, erwies sich allerdings als sehr voreilig, als wir uns an die Arbeit machten. Der Plastikindianer stand nämlich ziemlich weit oben. Und dafür war mein Stativ viel zu klein. Wir holten Großvater Niklas' Lehnstuhl ..... immer noch zu niedrig. Durch den zusätzlichen Einsatz der ebenfalls betagten Familien-Haushaltsleiter erhielten wir die benötigte Arbeitshöhe. Jetzt war die Kamera nur noch ein Stück zu weit vom Motiv entfernt. Mit Hilfe eines dicken Buchs (Bernard Cornwell, Stonehenge), einer Holzlatte und eines Holzbretts gelang es schließlich, auch noch dieses Problem in den Griff zu bekommen. Und schon war die Aufnahme im Kasten. Ein Kinderspiel. Wir hatten sehr viel Spaß beim Bau dieser "Brücke über Stonehenge", die zwar sehr ungewöhnlich ausschaute, letztlich aber voll und ganz ihren Zweck erfüllte.

So entstand also die Titelbildvorlage.

Bei der Bildbearbeitung (mit Photoshop) erhielt der Hintergrund (hinter der Indianerfigur) eine leichte Transparenz (für die "Experten": 70% Deckung). Dadurch wurde (mit 30%) das als "Hintergrund hinter dem Hintergrund" eingefügte Bild von Sitting Bull sichtbar. Teile der Einbandfläche (ein dicker Balken oben und - als optische Abrundung - ein kleiner Streifen unten) wurden kräftig indianerrot eingefärbt. Darauf wurde der mit den Farbtönen der Fotoaufnahme abgestimmte Text platziert, wobei für den Titel ein von Alfred Keil erstellter Handschriftzug verwendet wurde. Schließlich wurden der (indianische) Lakota-Text "Mitakuye oyasin" (="Ich bin mit allem verwandt") und das handschriftliche Signum des Autors hinzugefügt.

Das Foto für das Autorenbild, das auf der hinteren Buchdecke abgedruckt werden sollte, wurde bei schönstem Herbstwetter im Garten von Alfred Keil aufgenommen. Ich machte natürlich nicht nur eine Aufnahme, sondern 34. Wir entschieden uns für das Bild, auf dem er am authentischsten aussieht. So kennt man ihn. So sieht auch er sich.

Die weiteren Zutaten: Eine kurze treffende Buchbeschreibung, eine kleine Grafik (Indianerzelt), ein weiser Spruch eines indianischen Propheten über die Weisheit, die Bezeichnung des Verlags ("Wambli Notes") und die Internationale Standard-Buchnummer ("ISBN"), quasi das "amtliche Kennzeichen" des Werks.


Auch die Bedeutung des Buchrückens darf nicht unterschätzt werden. Steht das Buch im Regal, sieht man nur ihn: Noch einmal der Buchtitel mit dem Namen des Autors, das Indianerzelt und das handschriftliche Signum - zusätzlich ein indianisches Symbol, ebenfalls aus der Feder von Alfred Keil.

Bei der Gestaltung des Buchrückens ist eins noch ganz wichtig, nämlich seine Breite. Sie bestimmt sich nach der Anzahl der Buchseiten. Deshalb kann der Bucheinband auch erst fertiggestellt werden, wenn das Manskript fix und fertig als Druckvorlage vorliegt.


Das Manuskript

Wie gesagt - zuerst war das Manuskript. Es dauerte mehrere Monate, bis Alfred Keil es (im Herbst 2009) im Rohentwurf fertiggestellt hatte. Die Schaffung einer druckfähigen Fassung nahm zusätzlich viel Zeit in Anspruch. Jedes Kapitel wurde seither mehrfach überarbeitet. Schließlich kamen bis zuletzt noch eine ganze Reihe neue Kapitel hinzu. Die Zeittafel musste mehrfach aktualisiert werden. Anfang Februar wurde die Satzgestaltung in Angriff genommen. Jede einzelne Druckseite musste passen. "Schusterjungen" (einsame einzeilige Absatzanfänge am Ende der Seite) und "Hurenkinder" (einsame einzeilige Absatzenden am Anfang der Seite) mussten möglichst sämtlich beseitigt werden. Dies ist kein leichtes Unterfangen. Ist es gelungen, eine solche optische Schwachstelle zu eliminieren, tut sich an anderer Stelle eine neue auf. Hier steckt der Teufel im Detail. Silbentrennungen, die das Layout-Programm automatisch erledigt hatte, mussten sämtlich überprüft und stellenweise korrigiert werden, etwa dann, wenn ein fremdsprachiges Wort, das das Programm nicht erkannt hatte, an einer "unmöglichen" Stelle getrennt worden war. Schließlich wurden nachträglich Fotos an geeigneter Stelle eingefügt, was erneut zu Verschiebungen im Satz führte und weitere Korrekturen erforderlich machte.
 

Alfred Keil lebte monatelang für sein Buch und mit seinem Buch. Man kann sogar sagen, dass er in seinem Buch lebte. Das Manuskript erhielt, soagr als es bereits mehrfach einer intensiven Korrekturlektüre unterzogen worden war, noch ein weiteres ganz neues Kapitel ("Das muss unbedingt noch 'rein. Es ist ein ganz wichtiges Element."). Ich glaube, wenn ich mir nicht erlaubt hätte, ein freundschaftliches Machtwort zu sprechen, wäre das immer so weiter gegangen. Da das Werk endlich vollendet werden musste, machte ich unsere zweite März-Sitzung kurzerhand zur "Schlusskonferenz", nach der inhaltliche und optische Veränderungen nicht mehr vorgenommen werden durften und die Druckvorlagen auf den Weg gebracht werden mussten. Am 18. März wurden in der Druckerei Probeausdrucke mit verschiedenen Papiersorten gefertigt. Die Papiere wurden ausgesucht und festgelegt. Jetzt war der Drucker an der Reihe. Danach ging's zum Buchbinder.

Am Montag (29. März) wurde gedruckt. Sogleich ging's zum Buchbinder. Am Gründonnerstag ist das Buch geliefert worden.