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Buchtipp Von
Alfred Keil Angelica Seithe Gleich bei "amazon.de" bestellen! Obwohl sie mit einer Gitarre lebt, habe ich noch nie ein Lied von ihr gelesen oder eine Strophe mit festem Metrum und mit Endreim. Aber Angelica Seithe ist eine der wenigen, die auf diese Gebundenheit verzichten können, ohne den Verdacht zu erregen, sie sei dem Genre eigentlich nicht gewachsen. Die Wettenberger Autorin hat ihre Dichtung in den letzten Jahren zu einer Meisterschaft entwickelt, die selten ist. Manchmal / mitten im Frühling treffen mich / Winterworte, stellt sie fest und weist auf die Verletzlichkeit der menschlichen Seele hin. Aber sie benennt ihren festen Standort, indem sie sozusagen in einen Stein meißelt: Ich stehe breitbeinig / in meinem eigenen / Schatten. Den Irrtum kennt Angelica Seithe jedoch auch: Die Zähne zusammen und / immer den richtigen Schritt / angestrengt / in die falsche Richtung. Diesseits des Irrtums ist dennoch nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Auch diese Dichterin zahlt mit der ältesten Währung, nämlich mit Schicksal: Meine mandelbittere Lust / Mein verlassener Weg. Gute Lyrik ist Ausweg aus dem Kauderwelsch von Fortschritt, Politik und Bürokratie. Die vielen sinnentleerten Fachsprachen machen den empfindsamen Menschen krank. Die Lyrik aber sorgt dafür, dass er „im Haus des Seins“ (so definiert Heidegger die Sprache) nicht im Stich gelassen wird. Wissenschaftliche Sprache ist die Sprache der Formeln und Begriffe. Geistige Sprache ist die Sprache der Bilder. Angelica Seithe inszeniert diese Bildermeister haft. Auch die Grafiken stammen von ihr. |