Buchtipp

Von Alfred Keil
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Louise Erdrich - "Solange du lebst" - Roman
Insel-Verlag
ISBN 978-3-458-17426-4
€ 22,80

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Wieder berichtet die 54-jährige Tochter einer Indianerin und eines Deutschen über das Leben in einem Chippewa-Reservat in Nord Dakota. Und wieder wird ein Roman daraus.

Die beiden Brüder Shamengwa und Mooshum überliefern den Enkeln ihre Familiengeschichte. Dabei führen sie sich zuweilen auf wie Schuljungen. Das hält sie jung.

Diese indianische Gesellschaft bewegt ich hart am Abgrund. Unschuld und Kriminalität gehen hier Hand in Hand. Und alles dreht sich - jahrzehntelang - um den Lynchmord von Weißen an vier jungen Indianern. Schwindelerregend, wie sich die Nachkommen beider Parteien immer wieder begegnen und sogar miteinander auskommen. Es ist wohl die Kindlichkeit der alten Indianer, die vergessen haben, was Rache ist, oder die wissen, dass Rache nur zu neuer Gewalt führt.

Wieder einmal ist das einfache Gemüt traditioneller Indianer der juristisch geschulten Tüchtigkeit der Abendländer weit überlegen. Weiße Amerikaner brauchen immer mal wieder einen Schuldigen, der dann auch bestraft werden muss. In den Herzen tummelt sich immer noch der Wilde Westen.

Eine wundervolle Geschichte, in der viele Geheimnisse gelüftet werden. So ziemlich alles kommt in diesem Buch vor, das Sammeln von Briefmarken, die Arbeit eines Friedhofsgärtners und die körperliche Liebe.