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Buchtipp
Von
Alfred Keil
(06441) 959595
a.keil@mittelhessen.de

Siegfried Lenz: „Landesbühne“
Roman, 120 Seiten
dtv
ISBN 978-3-423-13985-4
€ 7,90
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Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Zwei völlig verschiedene Männer teilen sich eine Gefängniszelle. Ein
Intellektueller und einer, der sich in jeder Situation zurechtfindet.
Sie brechen aus – im Bus einer Schauspieltruppe - und mischen das
Kulturleben einer Kleinstadt auf.
„Landesbühne”: der kleine Roman des großen Norddeutschen Siegfried Lenz,
den ich beim Lesen ständig mit Günter Grass verglichen habe. Bis ich
wusste, was die beiden unterscheidet. Lenz hat, was Grass ein wenig
fehlt. Und zwar den Abstand vom Sujet, der das genauere Beobachten
ermöglicht und die gerechtere Beurteilung der Lage und der
Befindlichkeit.
Lenz’ Duktus ist immer unaufgeregt und stimmig. Manchmal führte mich die
Schilderung zurück in meine späte Jugendzeit, in der ich Manfred
Hausmann und Werner Helwig las. Da herrschte Melancholie, die an alle
verlorenen Paradiese erinnert, aus der sich schließlich die so genannte
Nostalgie entwickelte, die plötzlich in aller Munde war.
Siegfried Lenz kann nicht nur meisterlich erzählen. Er hat auch Humor. |