Buchtipp

Von Alfred Keil
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a.keil@mittelhessen.de

Angelika Zöllner: „Der Widerschein des Todes“
Gedichte, 100 Seiten, mit drei farbigen Naturfotos der Autorin.
Kohlhase Verlag - Edition Monrepos
ISBN 978-3-905798-01-2
€ 12,00

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Nur noch selten treffe ich einen Lyriker, dessen Verse meine Sinne gefangen nehmen. Angelika Zöllner hat dies - wieder einmal - geschafft. Ihre Gedichte sind seit Jahrzehnten vollkommen, vollendet, absichtslos. Ohne Effekte. Ohne Superlative. Ohne Spekulation.

Die Sinnlichkeit der Sprache und ihre Melodie sind dennoch vergeudet. Es sei denn, der Seele ist es erlaubt, diese Klänge mit in die Andere Welt, in die Jenseitswelt der Märchen und Sagen, zu nehmen, wo sie weiterklingen und singen dürfen. Und wachsen und blühen wie Blumen und Bäume, die Vorbeigehende entzücken.

Diese Gedichte (in deutscher und englischer Sprache), von denen auch der große Karl Krolow angetan ist, sind leider nur für Menschen, die sich damit abgefunden haben, dass die Sinnenfreude ihre Grobstofflichkeit verliert und nur noch besteht aus flirrendem Blütenstaub, aus Gewesenem, aus Erinnerung, aus Erwartungen, aus Geist.

Weil Angelika Zöllner Sprachgrenzen überschreitet, klingen auch Saiten auf, deren Töne in germanistischen Hörsälen kaum noch bekannt sind. „Mein adernbitterlich weh” beklagt die Dichterin und „das ringen im antlitz der ewigkeit”. Sie sucht mit dem „irrlichternen losungswort” und hilft sich auch „mit worten der erdenknappen sprache”.

Obwohl Angelika Zöllner von letzten Dingen schreibt und singt, stellt sie auch solche Fragen: „in welchen baum hänge ich heute meine schaukel?” Natürlich weiß sie auch, dass Gottes Mühlen sehr, sehr langsam mahlen: „und wenn ein korn überlebt / so kann es deinTrost sein / oder der deiner kinder”. Und in dem Gedicht „frieden” jubelt sie dem Ende, das ja Neubeginn ist, entgegen: „laß mich noch diese tage schmecken / und honig sammeln / dir und mir / . . . noch hängt die sonne / ich will singen / ehe der himmel fällt.”