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1. Juli 2010

Zwischen 03.30 und 04.30 herrschte auf der Autobahn vor Würzburg (im Spessart) absolute Stille. No motion!

Nach der Ankunft in Martina wurde nur kurz das Vierrad gegen das Zweirad ausgetauscht - und schon ging's los.

Ein erster Vorgeschmack auf die Felsenschlucht "Il Quar".

Noch musste man nicht schieben.

Der Weiler Uina Dadaint (1781 m) war jahrhundertelang ganzjährig bewohnt. Er gehört zur Gemeinde Sent/Schweiz. Dahinter beginnt dann gleich "Il Quar", die beeindruckende Schlucht mit dem in den Fels gehauenen / gesprengten Weg zum Schlinig-Pass (2200 m), wo die Grenze Schweiz / Italien verläuft.

Aufgeblasenes Leimkraut Silene vulgaris

Alpen-Waldrebe Clematis alpina - ...

... keine Blume, sondern ein Kletterstrauch

Oben hat's mich erwischt. Bei einem unsanften Zwangsabstieg, bei dem ich gerade noch rechtzeitig die Schuhe "ausklicken" konnte, machte ich ...

... Bekanntschaft mit dem sich noch drehenden großen Kettenblatt, das plötzlich wie eine Säge funktionierte und meine Wadenmuskulatur offenlegte. Ich musste das auch noch selbst fotografieren. Zum Glück war es nicht schmerzhaft. Der Wadenschlitz wurde am Abend zugenäht, und ich konnte am nächsten Tag munter weiterfahren - Dr. Stocker in Mals / Vintschgau / Italien sei Dank.

Mehlige Schlüsselblume Primula farinosa

Die nicht mehr bewirtschaftete Alte Pforzheimer Hütte mit Blick zum Ortler (3905 m) - ihr Wirt Adolf Witzenmann war der Initiator für den Bau des abenteuerlichen Felsenwegs "Il Quar" durch das Val d'Uina, dessen 100-jähriges Bestehen in diesem Jahr gefeiert wird. Er wollte einen Zugang zur Hütte aus dem Engadin schaffen. Die Bauarbeiten wurden von der Sektion Pforzheim in Auftrag gegeben (Kosten: CHF 34.000,00). Durch die Veränderung der Staatsgrenze ging die Hütte dann allerdings im Jahr 1919 auf den Staat Italien über. Sie wurde schließlich aufgegeben. In ihrer unmittelbaren ...

... Nähe wurde vor ca. 30 Jahren die Sesvenna-Hütte errichtet, die heute die Wanderer und die Biker auf dem Schlinig-Pass beherbergt.

Näheres zur Sesvenna-Hütte
2. Juli 2010

Schlinig bzw. Slingia im Vintschgau / Italien

Auf unserer Fahrt nach Taufers / Italien und weiter ins beschauliche Val Müstair / Schweiz ...

... konnten wir nur von einigen Rindviechern kurzfristig in unserem Tatendrang gebremst werden.

Das in der Karolingerzeit gegründete Kloster im Ort Müstair ist ein kulturelles Highlight. Die ...

... Wandmalereien mit Bibelzyklus sind teilweise mehr als 1200 Jahre alt. Die Anlage ist eine von acht Schweizer Welterbestätten.

Weitere Informationen hierüber erhält man hier.

Eine Rotwidderchen-Art. Ich bin mir noch nicht sicher, welche Art es ist. Jedenfalls habe ich diese Kreatur hier zum ersten Mal gesehen. Bisher habe ich nur das auch bei uns vorkommende Sechsfleck-Widderchen bzw. Blutströpfchen Zygaena filipendulae gekannt. Die Natur hält jeden Tag Neuigkeiten bereit. Man muss nur hinschauen.

Einmalig schön. Der massenhaft in den Bergen vorkommende Wald-Storchschnabel Geranium sylvaticum.

Bärtige Glockenblume Campanula barbata - ...

... sie hat wirklich einen Bart!

Gelbe Kuhschelle bzw. Küchenschelle Pulsatilla alpina, auch "Schwefelanemone" genannt - auch die hatte ich zuvor noch nie gesehen.

Gold-Fingerkraut Potentilla aurea

Wenn man sich sich die Bilder anschaut, gewinnt man den Eindruck, dass wir hauptsächlich ...

gerastet und die Bikes herumgetragen bzw. -geschoben haben. Das täuscht. Wir sind auch ...

... das eine oder andere Wegstück auf und ab gefahren. Beim Fahren lässt es sich ...

... halt nicht so gut fotografieren wie beim Rasten

Die Eichblatt-Radnetzspinne Aculepeira ceropegia ist eine unserer schönsten und größten Spinnen. Dieses Jungtier hat Riesenbeute gemacht - irgendein Insekt, das man nicht mehr identifizieren kann, da es vollständig mit Spinnfäden eingewickelt ist. Es ist bereits vor dem Einwickeln mit einer Giftspritze getötet worden. Jetzt - welch grausame Natur! - werden die Innereien des Opfers durch ein eingespritztes Sekret verflüssigt und getrunken.

Angekommen in Lü, der höchstgelegenen politischen Gemeinde der Schweiz.

Kugelige Teufelskralle Phyteuma orbiculare

Habichtskraut Hieracium

Wald-Storchschnabel Geranium sylvaticum

Scheuchzers Glockenblume Campanula scheuchzeri - eine ...

... Glockenblumenart, die nur in Gebirgsregionen ab 1000 m Höhe vorkommt.


Die Alpen-Distel Carduus defloratus begleitet uns ...

... bis auf 3000 m Höhe.

Ein Vertreter der Gattung Sonnenröschen Helianthemum

Eine Nelke Dianthus - aber welche? Sieht aus wie die Heide-Nelke Dianthus deltoides, aber die gibt's nur bis 700 m Höhe. Also ist es wohl die Alpen-Nelke Dianthus alpinus.

Gold-Fingerkraut Potentilla aurea

Den Langhaarigen Thymian (Thymus praecox subsp. polytrichus), auch Gebirgs-Thymian, Gebirgs-Quendel oder Alpen-Thymian genannt, ...

... riecht man zunächst, aber er ist auch nicht zu übersehen.

Eines der vielen verschiedenen Hornkräuter Cerastium

Sonnenröschen Helianthemum

Gewöhnlicher Hornklee Lotus corniculatus

Es gibt viele Sonnenuhren in den Dörfern von Graubünden; diese hier habe ich in Lü fotografiert.


Es ist schon sehr praktisch und angenehm, wenn der Guide ein leidenschaftlicher Bike-Bastler und -Pfleger ist.
3. Juli 2010

Gleich hinter Lü, das hoch über dem Val Müstair gelegen ist, ging's nach Norden noch ein ganzes Stück höher hinaus über den Pass da Costainas (2251 m) zurück ins Unterengadin, wobei ...

... eine kurze Schiebepassage nicht zu vermeiden war.

Ich hatte keine Ahnung, was das ist. Barbara, die Partnerin von Guide Heinz, hat mich aufgeklärt. Es ist die Buchs-Kreuzblume Polygala chamaebuxus, die u.a. auch Alpen-Zwergbuchs genannt wird.

Berg-Sandglöckchen Jasione montana

Steinröschen Daphne striata, ein Seidelbastgewächs

Alpen-Waldrebe Clematis alpina

Eines der schönsten Hahnenfußgewächse Ranunculaceae überhaupt ist die Trollblume Trollius europaeus. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Tallagen bis zum Hochgebirge (etwa 3000 m). Wegen der geschlossenen Form ihrer Blüte gestattet sie nur den Insekten, die stark genug sind, die Blütenblätter zur Seite zu schieben, den "Zutritt".

Die wunderschöne Mehlige Schlüsselblume ...

... bzw. Mehlprimel Primula farinosa auch in Tallagen vor. ...

... Ihr "Revier" erstreckt sich bis etwa 2600 m Höhe.

Veilchen Viola

Stengelloser Enzian Gentiana clusii bzw. Gentiana acaulis

Ich war nicht ...

... der einzige Patient.

Sumpfdotterblume Caltha palustris

Den Frühlings-Enzian Gentiana verna nennt man auch Schusternagerl, Rauchfangkehrer, Himmelsbläueli, Herrgottsliechtli, Tintabluoma oder Himmelsstengel. Das ist vermutlich noch nicht alles. An der Vielzahl seiner Namen erkennt man seine allgemeine Beliebtheit. Er hat aber auch wirklich eine einzigartig schöne Blütenfarbe.

Auf das Sommerdorf S-charl, 13 km von Scuol, dem zentralen Ort der Region Engadin Scuol, entfernt, war ich sehr gespannt. Vor vielen Jahren war dieser Ort für mich - gemeinsam mit einer großen Gruppe - der Ausgangspunkt für einige phantastische Skitouren, u.a. zum Piz Sesvenna (3204 m). ...

... Wir wohnten seinerzeit im Knappenhaus (auf dem Foto rechts). Es war Mitte März, und das Dorf war sonst völlig unbewohnt. Bis 1920 war S-charl ganzjährig bewohnt. Im Winter ist die Zufahrtsstrasse gesperrt und das Dorf ist nur mit Pferdeschlitten, Tourenski oder Schneeschuhen erreichbar. ...

... Im Sommer dagegen geht es hier sehr lebhaft zu. Viele Wanderer, Biker und auch Bustouristen sorgen dafür. Auch wir kehrten in einer wunderschönen Sommerwirtschaft ein und ließen es uns gut gehen, bis wir unsere Fahrt ...

... Richtung Scuol fortsetzten, wo wir den Inn überquerten und uns nicht lange aufhielten, da es schönere Orte als diesen gibt und wir noch einige Höhenmeter vor uns hatten. Unser nächstes Ziel war ...

... Sent, der herrlich über dem Inntal gelegene Ort mit seiner unverwechselbaren vom schlanken Kirchturm geprägten Silhouette. ...

Wie man sieht,

... lohnte es sich, ...

... dass wir uns hier etwas ...

... mehr Zeit nahmen, ...

... um uns nicht nur umzuschauen.

Es folgte eine tolle Auffahrt durchs Val Sinestra bis zum Hof Zuort, den wir aber links liegen ließen, um rechtzeitig für das WM-Spiel Deutschland-Argentinien unseren Etappenort Vna zu erreichen, den wir schon sehr früh von weitem im Blick hatten.

Einköpfiges Berufkraut Erigeron uniflorus

Wer sein Rad liebt ...

Zypressen-Wolfsmilch Euphorbia cyparissias

Alpen-Akelei Aquilegium alpinum

Hof Zuort, mehr als 500 Jahre alt

Die Knabenkräuter Orchis bilden eine zahlreiche Arten umfassende Gattung der Familie der Orchideengewächse Orchidaceae. Ihre Arten lassen sich mitunter nur sehr schwer voneinander unterscheiden. ...

Bei der hier abgebildeten Pflanze handelt es sich um das Gefleckte Knabenkraut Dactylorhiza maculata oder um das ...

... Fuchssche Knabenkraut Dactylorhiza fuchsii. Jedenfalls kommt es in Graubünden noch recht häufig vor.

Schwarzviolette Akelei Aquilegium atrata
4. Juli 2010

Auch am letzten Tag, an dem wir von Vna über Tschlin hoch zur Alp Tea und anschließend hinunter zu unserem Ausgangsort Martina fuhren, meinte es das Wetter gut mit uns.

Am frühen Morgen hatte die Sonne unser Quartier noch nicht erreicht.

Zypressen-Wolfsmilch Euphorbia cyparissias

Männliches Knabenkraut Orchis mascula (vermutlich)

Breitblättriges Knabenkraut Dactylorhiza majalis (vielleicht)

Das Brand-Knabenkraut Orchis ustulata, auf das mich unser ...

... Guide Heinz aufmerksam machte, lässt sich ziemlich sicher bestimmen.

Da ich zunächst nur die Knospen sah, erkannte ich sie nicht gleich. Erst die ...

... geöffnete Blüte brachte Gewissheit: Endlich hatten wir auch die ...

... Türkenbund-Lilie Lilium martagon gefunden, eine der attraktivsten ...

... Blütenpflanzen, die es in den Alpen gibt.

Zypressen-Wolfsmilch Euphorbia cyparissias mit fortgeschrittener rötlicher Färbung

Der schöne Ort Tschlin hat eine ähnliche Lage wie am Tag zuvor Sent (der Ort mit dem schlanken "Campanile").

Vor der Auffahrt zur Alp Tea wurden noch die Flüssigkeitsbehälter gefüllt.

Blauer Eisenhut Aconitum napellus

Kugelige Teufelskralle Phyteuma orbiculare

Und zum Schluss noch ein besonderes Schmankerl - eine Panoramaaufnahme mit Blick zur Alp Tea und zur dahinter gelegenen teils noch stark überwächteten Bergkette.