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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

14. Oktober 2018

Alfred Keils Kolumne

... EINE LESUNG. Eine Lesung der Gymnasiastin Anne Spitzner im Busecker Kulturzentrum. Die junge Buseckerin schrieb damals anrührende Fantasy-Geschichten, und sie erreichte damit ein treues Publikum. In Gießen betrieb sie 2012 eine "Urzeit-Werkstatt", in der Kinder viel über Dinosaurier und andere Urzeitwesen lernen konnten. Ein paar Krimis hat sie ebenfalls auf den Markt gebracht, die zum Teil in der Kreisstadt spielen. Und es versteht sich von selbst, dass sie auch Gedichte verfasst. Inzwischen ist Anne Spitzner Biologin und liebevolle Mutter.

Ihre Karriere als Autorin begann sie 2006 mit dem Fantasy-Roman "Dämmergeister". Als sie diesen Roman in Buseck vorstellte, passierte etwas Ungewöhnliches. In der Pause sah ich einen Mann durch die Reihen schreiten, der jeden Besucher genau musterte. Als er bei mir angekommen war, kniete er nieder und sagte: "Ja, Sie sehen aus wie auf dem Foto in der Zeitung. Sie sind der Herr Keil. In der Redaktion weigerten sie sich, mir Ihre Adresse zu geben. Datenschutz. Aber als ich die Ankündigung der heutigen Veranstaltung las, dachte ich mir schon, dass ich Sie hier finde. Langer Rede kurzer Sinn: Ich möchte Sie fragen, ob ich an Ihrer Philosophenrunde teilnehmen darf, über die Sie vorige Woche in Ihrer Zeitungskolumne geschrieben haben."

Ich zog ihn wieder hoch, denn niemand sollte vor mir knien. Er gab mir seine Visitenkarte: Hans-Dieter Schäfer, Heilpraktiker, Im Amtmann 5, 35578 Wetzlar.

Ich weiß nicht, wieviele Jahre wir in Wieseck bei Horst Deumer nebeneinander am Runden Tisch gesessen und gestaunt haben über das, was überliefert ist von Aristoteles, Sokrates, Platon, Sartre, Gadamer und Popper. Bei Letzterem ist Altkanzler Helmut Schmidt in die Lehre gegangen. In seinen letzten Lebensjahren hat uns dieser große Sozialdemokrat daran teilhaben lassen.

Als Horst Deumer uns aus gesundheitlichen Gründen nichts mehr beibringen konnte, blieben Dieter und ich zusammen. Künftig profitierten wir eine Menge voneinander. Eines Tages brachte er mir ein Buch mit: "Leinöl macht glücklich – Das blaue Ernährungswunder" von Hans-Ulrich Grimm. Grimm? Etwa Grimms Märchen? Zuerst fühlte ich mich verspottet. Doch dann fing ich an zu lesen – und konnte nicht mehr aufhören. Das war spannend wie ein Krimi.

Zuvor hatte ich gegen meine hohen Blutfette immer Tabletten geschluckt und unter den katastrophalen Nebenwirkungen gelitten. Ich wurde aggressiv und beleidigte meine besten Freunde. Ich habe dem Arzt dieses Gift schließlich auf den polierten Schreibtisch geknallt. Das war äußerst riskant. Aber nun schöpfte ich wieder Hoffnung.

Eines Tages saß ich zur Besprechung einer Blutentnahme wieder beim Arzt, der selbstgefällig grinste: "Ich sehe, Sie nehmen meine Tabletten jetzt doch wieder ein. Das müssen Sie auch, wenn Sie noch ein paar Jährchen leben wollen."

Ich grinste ebenfalls und klärte den Medizinmann auf. Das mit dem Leinöl hatte er schon einmal gehört. Deshalb war er nicht überrascht. Nach weiteren fünf Monaten sagte der Doc: "Wunderbar! Sie liegen in einem guten Busecker Durchschnitt. Wie nehmen Sie das Leinöl denn ein?"

"Jeden Morgen rühre ich zwei Esslöffel voll in meinen Quark."

Dieter und ich besuchten nun gemeinsam die Meditationsstunden des Heidelberger Musik-Pädagogen Professor Dr. Antonius Sommer. Aber auch aus diesem Paradies wurde einer von uns vertrieben. Dieter musste mehrmals operiert werden. Diagnose: Darmkrebs. Schließlich zog er sich in ein Hospiz zurück, um in Ruhe zu sterben. Wir beschlossen, feierlich Abschied voneinander zu nehmen, solange er noch klar denken konnte. Aber zu diesem Treffen ist es nicht mehr gekommen. Der Tod war schneller.

 

 

 

 

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