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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

9. Dezember 2018

Alfred Keils Kolumne

... EIN TELEFONGESPRÄCH. Mit belegter Stimme meldete sich mein Sohn aus einer Klinik im niederländischen Zwolle. Er besuchte hier seine kranke Mutter.

Plötzlich hörte ich noch eine andere Stimme. Es dauerte ein paar Sekunden, bis mein Denkapparat umgeschaltet hatte. Aber als diese andere Stimme "Strammer Max!" rief, gab es keinen Zweifel und keine Fragen mehr. Es handelte sich um Bernard Petit, einen Bruder meiner geschiedenen Frau.

Bevor ich 1971 seine Schwester Marie Pierre heiratete, wanderten Bernard und ich die Lahn entlang von Biedenkopf nach Marburg. Seine Schweigsamkeit störte mich nicht im Mindesten. Wir verstanden uns auch ohne Worte. Unterwegs, leider weiß ich nicht mehr, wo wir uns gerade befanden, entdeckte ich ein Plakat, das zu einer Autorenlesung meines Abi-Dichters Manfred Hausmann einlud. Natürlich ließ ich die Gelegenheit nicht aus. Das Schönste von allem: Bernard langweilte sich kein Bisschen. Ab und an sagte ich ihm etwas Erklärendes ins Ohr. Er beobachtete das Publikum und lächelte. Hausmann las uralte Geschichten, die mir vertraut waren. Auch das Gedicht "Es tropft von Helm und Säbel". Was da tropfte, war aber kein vergossener Lebenssaft, sondern der Tau des frühen Morgens. Wie hüpfte mein Herz vor Freude, als jemand die Türe aufriss und Kerle mit bunten Halstüchern hereinstürmten. Einer pochte und wirbelte auf dem Kalbfell, drei andere begleiteten Hausmanns Lied auf der Klampfe: "Nun schlagt die Trommel feste / für alles Glück und Gut. / Und schlagt sie auch mal leise / für unser junges Blut."

Manfred Hausmann hatte als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teilgenommen. Mit einer Gelbkreuzgas-Vergiftung und desillusioniert kehrte er nach Bremen zurück. Bis zu seinem Lebensende litt er an schwerem Asthma.

Am nächsten Nachmittag kamen Bernard und ich nach Biedenkopf zurück, wo ich damals wohnte. Wir schrieben den 2. Advent. Gegen Abend besuchten wir eine Weihnachtsfeier im Saalbau Duchmann. Hier waren meine Übersetzungshilfen einfacher, denn die Weihnachtsgeschichte nach Lukas kennt ja jeder.

Ich weiß es noch wie heute: Pfarrer Schmidt hielt eine feierliche Ansprache. Und als er zum Höhepunkt kommen wollte, als er ausrief: "Und in dieser sternklaren Nacht gebar die Jungfrau Maria einen . . .", flog die Schwingtüre auf, und die flotte Bedienung posaunte: ". . . strammen Max!" – – Die Jungfrau Maria gebar einen strammen Max!

Da war die Andacht verflogen. Selbst der Geistliche konnte nicht mehr an sich halten. Er brauchte Minuten, bis er sich beruhigt hatte. Das schmackhafte Gericht mit dem Namen "Strammer Max" wurde kalt, weil der Gast, der es bestellt hatte, vor lauter Lachen lange keinen Bissen hinunterbekam.

Nur einer lachte nicht. Bernard, mein Schwager in spe. Er lachte später ganz alleine, nachdem ich ihm recht und schlecht die Komik der Situation erklärt hatte. Ich sah mich genötigt, der Versammlung plausibel zu machen, warum sich die Heiterkeit meines Franzosen so verspätete.

Ein halbes Jahrhundert ist das jetzt her.

 

 

 

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